Das große Blutbild richtig verstehen

Steht eine Blutabnahme an, wissen viele Betroffene nicht eindeutig, welche Blutuntersuchung gemacht wird. In der Regel wird ein kleines Blutbild angefertigt, dass dem behandelnden Arzt Aufschluss über die Anzahl der einzelnen Blutzellen gibt.

Werden hier Auffälligkeiten festgestellt, ordnet der Arzt meist ein weiteres Blutbild, das sogenannte große Blutbild an. Ein großes Blutbild beinhaltet zusätzlich zum kleinen Blutbild ein sogenanntes Differentialblutbild. Hierbei werden die unterschiedlichen Arten der weißen Blutkörperchen (Leukozythen) unterschieden und ihre Menge und Anordnung festgestellt.

Laboruntersuchung: Kleines Blutbild

Was Sie über das Große Blutbild wissen sollten:

  1. Ein grosses Blutbild besteht aus einem kleinen Blutbild und einem sogenannten Differentialblutbild
  2. Das Differentialblutbild beinhaltet die genaue Untersuchung der einzelnen Zellarten unter den weißen Blutkörperchen (Leukozythen)
  3. Das grosse Blutbild kann automatisch oder analog erstellt werden. Bei analoger Erstellung ermittelt eine Fachkraft die Werte noch in „Handarbeit“ unter dem Mikroskop
  4. Auch gefährliche Krankheitserreger wie Malaria oder HIV können mit Hilfe eines grossen Blutbildes ermittelt werden
  5. Weiterhin gibt es für nahezu allen medizinischen Fachbereiche weitere Blutuntersuchungen, die unterschiedliche, noch detailliertere Werte liefern

Großes Blutbild Werte und Wissen

Was ist ein großes Blutbild?

Neben den standartisierten Zählen der einzelnen Blutbestandteile im kleinen Blutbild beinhaltet ein grosses Blutbild eine genaue Bestimmung der unterschiedlichen Leukozyten (weiße Blutkörperchen). Vor allem, wenn der behandelnde Arzt den Verdacht einer chronischen oder akuten Infektion hat, ordnet er ein großes Blutbild an.

Die einzelnen Blutwerte, die bei einem grossen Blutbild bestimmt werden, sind:

Kleines Blutbild + Differentialblutbild = Großes Blutbild

Blutbild Tabelle mit den Normalwerten

Normalwerte Erklärung der Werte Werte bei Frauen Werte bei Männern
Erythrozyten Erythrozyten Anzahl von 3,9 bis 5,3 Mio./ µl von 4,3 – 5,7 Mio./ µl
       
Leukozyten Leukozyten Anzahl von 3800 bis 10500 µl von 3800 bis 10500 µl
       
  Granulozyten    
  stabkernige Neutrophile 3 bis 5% 3 bis 5%
  segmentkernige Neutrophile 54 bis 62% 54 bis 62%
  Eosinophile 1 bis 4% 1 bis 4%
  Monozyten 3 bis 8% 3 bis 8%
  Lymphozyten 25 bis 45% 25 bis 45%
Thrombozyten Thrombozyten Anzahl von 140.000 bis 345.000 µl von 140.000 bis 345.000 µl
       
Hkt Hämatokrit von 37 bis 48 % von 40 bis 52 %
       
Hb Konzentration an Hämoglobin 12 – 16 g/dl 13,5 – 17 g/dl
       
MCH Hämoglobinmenge von 28 bis 34 pg von 28 bis 34 pg
       
MCHC durchschnitt Hämoglobinkonzentration von 33 – 35 g/dl von 33 bis 36 g/dl
       
MCV durchschnitt Erythrozyten Volumen von 85 – 95 fl von 85 – 95 fl
       
       
g = Gramm | µl = Mikroliter = 10-6 = 1 Millionstel Liter | dl = Deziliter (100 milliliter)
Werte Kontrolle Dr.H.Stephans, 28.04.2018
www.blutwert.info

 

Die einzelnen Blutwerte, die bei einem grossen Blutbild bestimmt werden, sind:

Das kleine Blutbild mit den Werten:

  •  Anzahl der Erythrozythen (rote Blutkörperchen)
  •  Hämoglobin (Blutfarbstoff)
  •  Anteil des Zellvolumens (Hämatokrit)
  •  der MCV-Wert (Zellvolumen rotes Blutkörperchen)
  •  der MCH-Wert (Konzentration von Hämoglobin ein einem roten Blutkörperchen)
  •  der MCHC-Wert (Konzentration von Hämoglobin in allen Erythrozythen)
  •  Anzahl der Thrombozythen (Blutplättchen)
  •  Anzahl der Leukozythen (weiße Blutkörperchen)

sowie ein Differentialblutbild mit den Werten:

  • Anzahl unterschiedlicher Leukozythenarten
    — Monozythen
    — Lymphozythen
    — eosinophile Granulozythen
    — basophile Granulozythen
    — segmentkernige Granulozythen
    — stabkernige Granulozythen

Die unterschiedlichen Leukozythenarten werden hier quantitativ ermittelt. Das bedeutet, dass die Werte Auskunft darüber geben, in welcher Konzentration die einzelnen Zellarten im Gesamtblut enthalten sind. Auch die sogenannte Morphologie der Zellen wird bestimmt, was soviel bedeutet wie die Überprüfung der Zellbeschaffenheit. Umgangssprachlich könnte man diesen Vorgang auch als Qualitätskontrolle bezeichnen.

Wann wird ein großes Blutbild notwendig und wie wird es erstellt?

Ein kleines Blutbild gehlrt zu den Routineuntersuchungen und ist Bestandteil der allgemeinen Vorsorge. Ein grosses Blutbild hingegen wird meist dann erstellt, wenn der Verdacht auf eine akute oder chronische Infektion vorliegt.

Für ein grosses Blutbild muss der Betroffene zum Zeitpunkt der Blutabnahme nüchtern sein. Das bedeutet, dass er bereits ab 20 Uhr am Vorabend keine festen Speisen mehr zu sich genommen und anschließend nur noch Wasser und ungesüßten Tee getrunken hat. Auch die Tasse Kaffee sollte erst nach der Blutentnahme getrunken werden.

Die Blutentnahme beim behandelnden Arzt ist meist Frühmorgens, sodass direkt nach der Blutentnahme gefrühstückt werden kann. Die entnomme Blutprobe wird dann in ein Labor geschickt. Während noch vor einigen Jahren alle Zellarten in Handarbeit unter einem Mikroskop ausgezählt werden mussten, übernehmen diese Aufgaben heute komplexe Maschinen.

Die Werte des grossen Blutbildes werden dem behandelnden Arzt mit dem sogenannten Laborbefund mitgeteilt.

Allerdings kann der behandelnde Arzt auch ein sogenanntes analoges Blutbild anfordern. Dann werden die entsprechenden Werte auch heute noch händisch unter dem Mirkoskop von einer Fachkraft ermittelt.

Liegen diese Werte vor, kann der behandelnde Arzt die Werte mit seinen Patienten besprechen, eine Diagnose stellen und ausschließen oder unter Umständen weitere Untersuchungen anordnen.

 

Veränderungen im großen Blutbild – und nun?

Neben Erkrankungen des Blutes selbst können auch Veränderungen und Erkrankungen an Organen wie Leber oder Niere zu abweichenden Werten im grossen Blutbild führen. Die unterschiedlichen Zellarten, die im Differentialblutbild erstell werden reagieren dabei unterschiedlich auf eine Vielzahl von Krankheiten.

Leukozythenzahl – grosses Blutbild:

Ist die Anzahl an Leukozythen zu hoch, sprechen Mediziner von einer Leukozythose. Vor allem bei bakteriellen Infektionen setigt die Anzahl der Leukozythen erheblich an. Weitere Ursachen können sein:

  1.  Stress
  2.  Entzündungen
  3.  Vergiftungen
  4.  Allergien
  5.  regelmäßige Einnahme bestimmter Medikamente
  6.  Krebserkrankungen, die bereits fortgeschritten sein
  7.  Blutkrebs (Leukämie)
  8.  Schockzustände
  9.  Stoffwechelerkrankungen (zum Beispiel Gicht)

Sind zuwenig Leukozythen vorhanden, nennt man dieses Symptom Leukopenie. eine Leukopenie entsteht vor allem bei Betroffenen, die mit einer Chemotherapie behandelt werden, unter einer Schädigung des Knochenmarks leiden oder eine Virusinfektion durchmachen. Auch bestimmte Krankheiten können eine Leukopenie verursachen, da Leukozythen hier vermehrt abgebaut werden.

Anzahl Neutrophiler Granulozyten:

Neutrophile Granulozyten kommen im Blut unter den weißen Blutkörperchen am häufigsten vor. Sie werden im Körper zum Beispiel in der Milz „auf Abruf“ bereit gehalten und bei Bedarf, zum Beispiel bei der Infektion mit Bakterien, in grosser Menge freigesetzt.
Ist dieser Wert erhöht, deutet alles darauf hin, dass eine solche Freisetzung erfolgt ist und vermutlich eine Infektion vorliegt. Neutrophile Granulozyten fressen Zellreste und abgestorbene Parasiten und Bakterien. Eine Anhäufung von Neutrophile Granulozyten, toten Zellen und Lymphflüssigkeit ist im Volksmund auch als Eiter bekannt.

Anzahl Basophile Granulozyten:

Bei einem gesunden Menschen machen basophile Granulozyten weniger als 1 Prozent des Blutes aus, da sie vorwiegend im Gewebe und im lymphischen System des Organismus zu finden sind. Sie spielen vor allem bei Infektionen und allergischen Reaktionen eine Rolle. Leichte Erhöhungen dieses Wertes treten jedoch auch bei erhöhten Blutfettwerten auf, zum Beispiel dann, wenn ein Betroffener an Diabetes erkrankt ist.

Veränderte Werte

Sind Werte im grossen Blutbild auffällig, wird der behandelnde Arzt das Gespräch mit dem Betroffenen suchen und hier alle Fragen beantworten und unter Umständen weitere Untersuchungen anordnen.

Ein grosses Blutbild kann zudem hilfreich sein, gefährliche Krankheitserreger wie Malaria oder HIV nachzuweisen und eine frühzeitige Behandlung möglich zu machen.
In nahezu allen Fachbereichen der Medizin gibt es zudem weitere, spezifischere Blutuntersuchungen, die weitere Werte liefern, um Diagnosen zu sichern.

Quellen

Marlies Michl: BASICS Hämatologie. 4. Auflage. München 2016: Elsevier/Urban & Fischer-Verlag. ISBN-10: 3437421697.
Dr. Harald Stephan, www.grossesblutbild.de/grosses-blutbild.html