Das Kleine Blutbild richtig verstehen

Das kleine Blutbild ist die häufigste Blutuntersuchung, die durchgeführt wird. Jeder Mensch wird im Laufe seines Lebens vom Hausarzt ein- meist mehrmals „zur Ader“ gebeten. In der Regel wird dann mit der Blutprobe ein kleines Blutbild erstellt.

Doch was sagen die ermittelten Werte über Deinen Gesundheitszustand aus?

Ausdruck für den Patienten mit Werten des Kleinen Blutbild

Laboruntersuchung: Kleines Blutbild

Was Sie über das Kleine Blutbild wissen sollten:

  1. Das kleine Blutbild ist eine Routineuntersuchung und wird häufig durchgeführt
  2. Das kleine Blutbild erstellt einen Überblick über die Anzahl der unterschiedlichen Blutbestandteile
  3. Auch vor Operationen wird ein kleines Blutbild erstellt, um möglichen Komplikationen vorzugreifen
  4. Zu hohe oder zu niedrige Werte der einzelnen Blutzellen haben unterschiedliche (meist harmlose) Ursachen
  5. Geringe Abweichungen der Normwerte sind erstmal kein Grund zur Sorge

 

Was ist ein kleines Blutbild?

Ein kleines Blutbild ermittelt die Anzahl der Blutzellen. Mediziner bezeichnen diese Blutuntersuchung auch als Hämogramm oder Blutstatus. Die Anzahl der Erythrozythen (rote Blutkörperchen), Leukozythen (weiße Blutkörperchen) und der Thrombozythen (Blutplättchen) wird bestimmt.

Weiterhin wird der Anteil des Blutfarbstoffs Hämoglobin und das Volumen der roten Blutkörperchen (Hämatokrit) bestimmt. Weitere Laborwerte, aus denen ersichtlich ist, zu wie viel Prozent Erythrozythen aus festen Bestandteilen und Hämoglobin bestehen, werden ebenfalls bestimmt (Werte: MCV, MCHC, MCH).

Kleines Blutbild

Blutbild Tabelle mit den Normalwerten

Normalwerte Erklärung der Werte Werte bei Frauen Werte bei Männern
Erythrozyten Erythrozyten Anzahl von 3,9 bis 5,3 Mio./ µl von 4,3 – 5,7 Mio./ µl
       
Leukozyten Leukozyten Anzahl von 3800 bis 10500 µl von 3800 bis 10500 µl
       
Thrombozyten Thrombozyten Anzahl von 140.000 bis 345.000 µl von 140.000 bis 345.000 µl
       
Hkt Hämatokrit von 37 bis 48 % von 40 bis 52 %
       
Hb Konzentration an Hämoglobin 12 – 16 g/dl 13,5 – 17 g/dl
       
MCH Hämoglobinmenge von 28 bis 34 pg von 28 bis 34 pg
       
MCHC durchschnitt Hämoglobinkonzentration von 33 – 35 g/dl von 33 bis 36 g/dl
       
MCV durchschnitt Erythrozyten Volumen von 85 – 95 fl von 85 – 95 fl
       
       
g = Gramm | µl = Mikroliter = 10-6 = 1 Millionstel Liter | dl = Deziliter (100 milliliter)
Werte Kontrolle Dr.H.Stephans, 28.04.2018
www.blutwert.info

 

Werte im kleinen Blutbild

Um ein kleines Blutbild zu bestimmen, nimmt der behandelnde Arzt eine kleine Blutprobe aus der Vene ab. Eine zuvor erfolgte Nahrungsaufnahme verändert die zu bestimmenden Werte nicht, sodass Betroffene für ein kleines Blutbild nicht nüchtern sein müssen.

Jedoch empfiehlt es sich, Anweisungen des Arztes zu erfolgen, damit einem kleinen Blutbild auch weitere Blutuntersuchungen angeordnet werden können.

Die abgenommene Blutprobe untersucht der Arzt nicht selber. Mit einem entsprechenden Patientenaufkleber wird diese Probe in ein spezialisiertes Labor geschickt. Dort wird mit Hilfe modernster Technik das kleine Blutbild vollautomatisch erstellt. Der behandelnde Arzt werden die ermittelten Werte in einem sogenannten Laborbefund mitgeteilt.

Ob ein Wert im sogenannten Normwert liegt, ist abhängig von Geschlecht und Alter.
Dein Hausarzt erklärt Dir sicher Deine Werte und ob sie im Normbereich liegen, oder nicht.

Veränderte Werte

Warum sind die Werte zu niedrig?

Eisen- oder Vitaminmangel können eine Blutarmut zur Folge haben. Du selbst merkst davon meist gar nichts und fühlst Dich gelegentlich oder immer häufiger müde und antriebslos. Jedoch ist die veringerte Anzahl von Erythrozyten dafür verantwortlich.

Auch nach einer Operation mit entsprechend hohem Blutverlust zeigt das kleine Blutbild einen niedrigeren Wert der Erythrozyten an. Menschen, die zuviel Wasser trinken, leiden ebenfalls unter diesem Symptom.

Ist die Anzahl der Leukozythen zu gering, ist dies meist an Anzeichen für eine Infektion. In seltenen Fällen kann auch eine bestimmte Form der Leukämie vorliegen. Betroffene, die bereits mit einer Chemotherapie behandelt werden, haben ebenfalls eine niedrige Leukozythenanzahl im kleinen Blutbild zu verzeichnen.

Sind die Thrombozythen nur in verringerter Anzahl vorhanden, kann dies ebenfalls auf Eisen- oder Vitaminmangel zurückzuführen sein. Eine ausgewogenere Ernährung und die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt kann hier schnell Abhilfe verschaffen.

Weiterhin ist eine verringerte Anzahl von Thrombozythen ein Symptom von Infektionen, Blutungen, bedingt durch die Einnahme verschiedener Medikamente oder in seltenen Fällen auf eine Leukämie zurückzuführen.

Warum sind die Werte zu hoch?

Erhöhte Erythrozyten werden meist bei wanderlustigen Urlaubern aus den Bergen gemessen. Der Körper passt sich der sauerstoffärmeren Luft an, indem mehr Erythrozyten produziert werden, die den Sauerstoff durch den Organismus transportieren.

Doch auch Profisportler, die ihrem Erfolg mit Doping auf die Sprünge helfen wollen, werden an einer erhöhten Erythrozytenanzahl entlarvt. Besteht ein Sauerstoffmangel, weil Lunge oder Herz erkrankt sind, ist die Anzahl der Erythrozyten ebenfalls erhöht. Auch spezifische Kresberkrankungen können diesen Effekt zur Folge haben.

Besteht eine akute Entzündung oder Infektion, zum Beispiel bei einem grippalen Infekt, ist die Anzahl der Leukozythen erhöht.

Vorsicht ist geboten, wenn die Anzahl der Thrombozythen erhöht ist: Das Risiko eines Blutgerinnsels steigt dann an. Erkrankungen des Knochenmarks oder bestimmte Krebserkrankungen können hier unter anderem die Ursache sein.

Die Werte des kleinen Blutbildes sind verändert – was nun?

Das Wichtigste vorweg: Kleine Abweichungen im kleinen Blutbild sind meist kein Grund zur Sorge. Meist reicht ein Kontrolltermin und die Erstellung eines weiteren kleinen Blutbildes nach einiger Zeit und die Werte sind wieder „im Rahmen“.

Kleinere Infektionen, die keine nennenswerten Symptome verursachen, können für kleine Schwankungen die Ursache sein. Bei Frauen kann auch die monatliche Regelblutung zu veränderten Werten führen.

Besteht Klärungsbedarf, wird Dein Arzt Dir in einem Gespräch genau erklären, was die abweichenden Werte aussagen könnten und wird weitere Untersuchungen veranlassen. Bei Mangelerscheinungen, zum Beispiel bei Eisenmangel, verspricht die Einnahme von Nahrungsergänzungsmittel schnellen Behandlungserfolg.

Fakten

Wann muss ein kleines Blutbild bestimmt werden?

Das kleine Blutbild ist eine Routineuntersuchung der allgemeinen Gesundheitsvorsorge. Ein bestimmter Grund muss daher nicht vorliegen, um diese Untersuchung durchzuführen. Auch, wenn Dein Hausarzt gezielt nach etwas sucht, kann ein kleines Blutbild hilfreich sein.

Mögliche Verdachtsdiagnosen, die ein kleines Blutbild nötig machen, sind zum Beispiel: Blutarmut (Anämie), Infektionen mit Bakterien, Viren, Parasiten oder Pilzen, Störungen der Blutgerinnung, schwere Erkrankungen wie Krebserkrankungen. Auch vor einer Operation ist die Erstellung eines kleinen Blutbildes notwendig, um möglichen Komplikationen vorzubeugen. Hierzu zählt zum Beispiel eine verminderte Anzahl an Thrombozythen, welche eine erhöhte Blutungsneigung zur Folge hat.

Jedoch besteht erstmal kein Grund zur Sorge, wenn Dein Hausarzt ein kleines Blutbild anordnet.

Werte des Kleinen Blutbild

Quellen, Literatur und weiterführende Medien

Marlies Michl: BASICS Hämatologie. 4. Auflage. München 2016: Elsevier/Urban & Fischer-Verlag. ISBN-10: 3437421697.